Samstag, 27. Juni 2015

2015-06-27 Samstag

Heute vor genau 28 Jahren war es auch ein Samstag... und auch ziemlich spät, aber zum Sonntagskind hat es nicht gereicht. Muss aber auch nicht. :)

Ich wurde mit einer mir fremden Sprache auf Postkarten geweckt:

'Do isch mer was eigfalle: hesch gebortsdag, gell?'

'...i graddulier liabr ohne gombjudr ;-)'

'häppieh börschdee, wann ischn des fescht?'

Es war kein Schwedisch, da liegt Fränkisch weitaus näher daran. Aber nach etwas längerem Überlegen und dem letzten bisschen Schlaf, den ich mir aus den Augen gewischt hatte, hab ich mich für die schwäbischen Geburtstagswünsche bei meiner Cousine bedankt und bin aufgestanden.
Eine Kerze, Ritterwanzenkot und Linusses Farbwandelsteine -wenn nass- waren ein sehr tolles Geburtstagsgeschenk.

Nach einem kurzen Frühstück, einer doppelten 5-Kronen-Dusche (5 Kronen pro 4 Minuten, ca. 50 ct) gings dann aber auch schon weiter mit dem Urlaub. Nach einer kurzen Überlegung, ob wir nicht doch Pippi Langstrumpf Fan-Sonnenbrillen kaufen sollen, haben wir uns wieder aufgemacht nach Visby.


Nachdem ich mich gestern schon umgeschaut hatte, konnte ich die besten Spots in Visby in Kürze zeigen...


Der Fisch zu Mittag war hervorragend und man muss echt die Lokale um die Hästgatanstraße loben, welche eine günstigere Mittagskarte bei tollem Essen aufweisen. Insgesamt kommt man sich in den zur Straße geöffneten oder mit Balkonen und Terrassen versehenen Restaurants vor wie in einem mediterranen Land... nur nicht ganz so dreckig.


Hab ich schon erwähnt, dass zu diesem mediterranen Ambiente auch das Wetter wunderbar gut gepasst hat. Und da heute Siebenschläfer ist, das Ganze auch noch 7 Wochen so bleibt... ?! :) Naja, wenn Engel reisen... 
Und gereist sind wir dann auch weiter zu der gewünschten Grotte: Lummelundagrottorna


Nach einem kurzen Filminterview mit den 3 Buben, die vor circa 50 Jahren diese Grotte entdeckt haben, bekommen wir eine Führung durch die selbige. Der Führer spricht, wie die meisten Schweden die ich bisher Sprechen gehört habe (auch Kinder), ein wunderbar akzentfreies Englisch.


Einsteigen tun wir über einen künstlich gelegten Zugang, den die Buben 1948 nicht hatten. Diese sind über eine Vorhöhle einer kleinen Bachquelle ins bis damals unerforschte innere der Höhle vorgedrungen.



Die drei kleinen Schweden haben ihren Fund eine lange Zeit geheimgehalten und sich lange selbst Zeit gelassen diese zu erkunden, bevor sie das weitergegeben hatten. Selbst ein Schlauchboot, um die längern eiskalten Wasserstrecken zu überbrücken, hatten sie mit in die Höhle gebracht.
Als sie dies dem ortsansässigen Höhlenforscher erzählten konnte dieser das auch gar nicht glauben. Und die erste gemeinsame Expedition ins innere der Erde scheiterte am Bauchumfang des Experten. Dieser machte kurzer Hand eine 3-monatige Diät und konnte danach erst über die Erkundungen der Kinder staunen. Das Höhlensystem selbst ist 4 km lang, wovon man 130 m zu sehen und eine ein-kilometrige und 3-stündige Adventure-Tour mit Aufpreis angeboten bekommt.
Uns reichen aber die 130 m. Angefangen in der von den Kindern benannten Königshalle, geht es über die Kapelle weiter an Reisterassen-ähnlichen Kalkgebilden sowie Tropfsteinen, welche alle 200 Jahre mal einen Zentimeter wachsen.
Zum letzten, ohne Boot erreichbaren Höhlenabteil, führen 3 Gänge, wovon der letzte erst vom Hausmeister entdeckt wurde, als er die Stromkabel für die Beleuchtung verlegt hatte.





Den unterirdischen Fluss haben wir natürlich auch gesehen und diese führt außerhalb des Berges natürlich weiter Richtung Meer. Und wäre hier in der Nähe kein 'rödfärg'es (falunrotes) Haus, könnte man meinen, dass diese Grotte in einem deutschen Wald steht. Denn die Flora entspricht meines Erachtens nach genau der mitteldeutschen.





Neben dem kleinen Wasserfall im alten Wasserkraftwerk ist ein Souvenirladen untergebracht, in welchem man unter anderem...


...kaufen kann. Hier kann ja jeder mal selbst raten, was das wohl sein mag. :)

Circa 10 km weiter geht es in den Norden der Insel in Richtung Stenkyrka. Dort befindet sich ein altes Sonnenrad, welches als Grab (Hjulkorsgraven, circa 400 AD) errichtet wurde und bei Ausgrabungen wieder zu Tage befördert wurde.


Riesig müssen die auch gewesen sein damals, wenn sogar ich da hinein passe... :)


...und nebenan ist noch ein kleines Heimatmuseum mit einem schönen aber toten Baum in der Mitte.


Und 200 m nebenan finden wir eine schöne Kirche Stenkyrka, welche mit 'Kyrkan är öppen for Besok och Andakt' einlädt (Kirche ist offen für Besuch und Andacht). Diese gehört zu den ältesten der Insel und ist in diese Gestalt seit dem 13. Jahrhundert so anzutreffen.



Und nach weiteren 5 Kilometern erreichen wir unser heutiges Etappenziel Lickershamn. Ein kleines idyllisches Fischerdorf.




Viele kleine rote Fischerhütten sind schon als Sommerhaus umfunktioniert worden, aber in manchen sieht man noch einen Fischer werkeln. Und mitten im Dorf (ca. 20 Hütten), befindet sich eine Verkaufshütte für 'rokt fisk'. Und schon sind wir beim Abendessen.



Geräucherte Garnelen, Lachs mit und ohne Gewürzmarinade, Al und Flunder plus einem Gurkensalat der mehr Remoulade als Salat ist, ergibt ein leckeres Abendessen.



Und gleichzeitig fallen uns die unzähligen Kaninchen ins Auge, die überall herumhoppeln. Und ich habe gedacht die Schweden mähen überall so fleißig... wie man sich irren kann. :)


Aber nicht nur Gras steht auf dem Speiseplan der Kaninchen. Auch Fischerhäuser. Und ich dachte, dass Hasen so etwas machen aus Langeweile oder um aus einem Stall herauszukommen. Aber nicht umgekehrt. Denn hier braucht man wohl auch ohne Stall Hasendraht, sonst gäb es wohl bald keine Fischerhäuschen mehr. Oder dieses rödfärg schmeckt so gut... dabei wurde es doch nur für die armen Holzhausbesitzer erfunden, die wollten, dass die Hütte aussieht wie ein Steinhaus. Und jetzt ist diese Farbe untrennbar mit Schweden verbunden und quasi ein führender Holzhaustrend. Und diese Hasen sind wohl auch sehr trendbewusst hier.



Und noch weiter zur vorletzten Raukar (Kalksteinsäulen), für welche Gotland berühmt ist. Diese ist Naturminne.





Und auch hier finden sich schon die versprochenen Walderdbeeren, welche nach dem 'Jedermannsrecht', wie alles essbare aus den Wäldern Schwedens, jedem zustehen. Ich hoffe aber, dass wir nächste Woche südwärts auch noch ein paar rote finden.


Zurück am Fischerdorf vorbei...


...geht es an der Steilküste und durch den Wald zur 'Jungfrun'-Raukar. Diese ist nach einer tragischen Sage benannt, wonach einmal ein Landherr aus einer Schlacht mit einem Gefangenen zurückkehrte, welcher sich in seine Tochter verliebte. Um sich der Tochter würdig zu erweisen sollte er diese von der Kalksteinsäule unbeschadet herab bringen. Nach gelungenem Aufstieg und auf halbem Wege nach unten schoss der Väter der Jungfrau dem Verliebten einen Pfeil durch den Kopf. Beide stürzten ins ins Meer und starben...


Und außen herum... wieder Kaninchen... :) ...also doch ein Happy End.



Und hatte ich erwähnt, dass es wunderschön hier ist und die Landschaft, das Meer und alles einfach idyllisch ist...






...und wir uns um 23 Uhr nicht sicher sein können, ob der Himmel vom Abendrot oder vom Morgenrot orange gefärbt wird. Aber naja. Schon wieder spät. Und mein Geburtstag schon wieder vorbei. War ja gar nicht so schlimm 28 zu werden. Im Gegenteil, ich hatte einen weiteren wunderschönen Tag in Schweden dank Mattis, Linus, Franziska, Torsten und Schweden. :)

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